Wie fühlt es sich an?

How does it feel? Ziemlich gut. 75 Jahre wird er alt. Gute 40 davon hat seine Musik mein Leben begleitet: an Lagerfeuern, auf nächtelangen Partys, in schmachtenden, liebesverkorksten Träumereien. Auf Klassenfahrten, in Fernsehdokus, als Kaufhausberieselung und als Beleg für ein Lebensgefühl, quer durch Generationen. Bob Dylan wird 75. Hut ab! Und die Gitarre umgehängt.

Der springende Punkt

Das Dilemma eines sogenannten "springenden Punktes" ist doch - jedenfalls wie ihn Aristoteles einst definierte - dass er sich eigentlich auf einen "schwimmenden Punkt" bezog...
Was erklären würde, warum wir so oft vergeblich darauf hoffen, dass uns der "springende Punkt unseres eigenen Lebens" doch endlich "ins Auge springen" möge, während er in Wirklichkeit längst still, leise und unbemerkt an uns vorbei plätschert.

Versiegelter Sonntagnachmittag.

Vor Regen geflüchtet. Gesperrt zwischen zwei Welten. Der Kaffee ist geschlürft, die Nachbarn in Grund und Boden belauscht und die Stimmen vibrieren fort, ins dämmernde Licht über den Nachmittagstischen. Die nächste Flucht stünde an. 


Kaffeehauskultur

Manche Leute gehen mir extrem auf die Nerven: die setzen sich in ein Café, klappen ihre Rechner auf und quatschen stundenlang in Mithörlautstärke über Headset mit irgendwelchen Teams, um der Welt zu beweisen, wie erfolgreich sie den letzten Volkshochschulkurs zum mobilen selbständigen Arbeiten absolviert haben. Klappt eure Rechner zu, entstöpselt eure Ohren und beginnt stattdessen darüber nachzudenken, wie ihr eure Mitmenschen weniger nerven könnt...






Morgendlich hart aufgeschlagen

Das ohrenbetäubende Gekeife diverser Extrovertanten in öffentlichen Caféhäusern kann einem ziemlich schnell die Besinnlichkeit eines ersten Urlaubstages rauben. Die Alternative wäre: in mühsamer Kleinarbeit die auf ein Milligramm optimierte Menge an Kaffeepulver in eine häusliche Tasse zu füllen, unter der Gefahr bleibender Verbrennungen hektisch einen Schwall sprudelnd kochendes Wasser aufzufüllen und in den nahezu stillen Momenten des Rührens und Pustens der Frage nachzusinnen, ob die seit Jahrzehnen länderspezifisch bezeichnete Herstellungsart eines solch zubereiteten Getränks wirklich noch politisch korrekt sei. Spätestens dann jedoch würde mir die Lust auf Kaffee vergangen sein und ich mich wohl doch wieder nach dem wenigstens belanglosen Gekeife in meinem Lieblingsmorgencafé sehnen ...

Binsenweisheit

Wieso muss man selbst gute Freunde immer wieder daran erinnern, dass Nähe niemals durch Distanz entsteht, sich erst recht nicht erhalten lässt ...

Alles, wie immer 02

Wenn der frühe Vogel schon den Wurm fraß, kann ich mir ja in Ruhe einen Milchkaffee gönnen ...

Von gelben Hunden und verängstigten Blicken.

Von Regen verhangener Feiertagshimmel. Liegen bleiben und lesen ... Die Welt, in die ich eintauche, ist ebenso grau und verregnet, die unbefestigten Straßen sind schlammig und unpassierbar, das Licht drückend, die Blicke hinter halb gelüfteten Gardinen verkniffen. Eine Kleinstadt ängstigt sich vor einem Mörder ... Kommissar "Maigret und der gelbe Hund". Auch dieses Stück Literatur will irgendwann einmal gelesen sein. 

Alles, wie immer.

Wieder eine Nacht lang geliebt und gehasst, gehetzt, verführt, intrigiert, umspielt, ausgenutzt, geflohen, verachtet und bewundert, resigniert, aufgebraust, gestritten und gehofft, eingerissen und neu aufgebaut. - Und am Ende doch nur klatschnass vom Schwitzen aufgewacht.

Unfeierlich

Buxtehude schallt in unfeiertäglicher Lautstärke durchs Haus. Unglaublich, was die Menschen alles zum Menschsein brauchen.

Márquez

Den Tatsächlichkeiten geschuldet: Ich tausche die in feiertäglicher Vorfreude auf stundenlange Lesezeit zurechtgelegten Bücher gegen jene, die sich in meinen Regalen von Gabriel Garcia Márquez finden lassen. Noch einmal will ich mich berauschen lassen von dem, was mich über dreißig Jahre begleitet hat. Der große Márquez ist tot.

weißes licht


steh ich auf
leg mich nieder
trau nicht mir selbst
schwatz, träum, grins mich nieder
lausch dem weiß, das kommt
sonst nichts

Jagt Schriftsteller ruhig auf die Scheiterhaufen


Jede Zeit jagt ihre überholt geglaubten Leitbilder irgendwann auf Scheiterhaufen oder Intensivstationen. Aber die, die sich durch besonderen Jagdtrieb hervorzuheben glauben, werden ihre Zeit nicht überdauern. Geschriebenes dagegen bleibt, so es Sinn macht, seit Jahrhunderten. Auch jene Texte von Günter Grass, die wichtig und richtig waren.  

Lebzelter_02


Und was uns blieb am Ende allen Glaubens,
war nur ein Traum, doch alles wert:
Dass nur der Mensch dem and'ren Mensch,
der Freund dem Freund, der Mann der Frau,
der Sohn dem Vater noch verpflichtet sei.
Dass frei von allem Glauben, aller Macht
nur zählt, was in uns steckt.
Und Harmonie in allen Dingen
doch nur dem Ende allen Lebens gleicht.
Nicht Untertan! Nicht stumm!
Nicht ohne Widerspruch!
Und niemand sich verkauft der Macht,
des eigenen  Friedens willen.

Es ist wieder soweit: Rebellion in Deutschland

Manchmal hat man das Gefühl, dass sich jeglicher rebellischer Geist in Deutschland allein schon damit zufrieden gibt, hinter abgedunkelten Schlafzimmerfenstern - aus sicherem Abstand und mit schadenfrohem Grinsen - die Fernbedienungen abwrackprämierter Kleinstwagen zu betätigen, um so scheißende Hunde mit einem verschreckenden Getöse aus Türverriegelungen und Warnblinkleuchten in die Flucht zu jagen ...

Christa Wolf

Was bleibt von einer Autorin, wenn es am Ende doch nur für einen Rückblick von geschätzten 1 Minute und 30 Sekunden Länge in der Tagesschau reicht. Was bleibt? Von all den Büchern, verstörenden Gedanken und den sich auf so lange Zeit eingekratzten Sätzen. Von all den Lebensmustern, die sie in über 80 Jahren probiert haben mag, auch den Kindheitsmustern, die sie verfolgt haben werden. Nur, um irgendwann noch einmal, im hohen Alter, an einem Ort anzukommen, der ihr ein neues Land werden sollte. An keinem Ort also. Nirgends. Warum noch schreiben, wenn am Ende eines Lebens doch nichts bleibt, als der Schatten eines Traumes? Und vielleicht Hoffnung.
Aber das ist es ja gerade: Leben und Sterben als ein ewiger Störfall, als ein fortgesetzter Versuch ...  Ein ewiges Auf und Ab - und immer voller Ungewissheit, was sein wird. Nur, jetzt endlich unter einem nicht länger geteilten Himmel. Und vor allem: Mit anderem Blick.  Vielleicht? Irgendwo da draußen.

Lebzelter_01

Vielleicht waren wir eurem Gott nie näher und doch war es der gottloseste Moment unseres Lebens. Aber war das, was wir taten, allein deswegen unerhört? War es wirklich vermessen, dass wir, Lorenzo  und Leon, zwei Männer im besten Alter ihres Lebens, sich an jenem 17. März 1447 einem ehrwürdigen Mann an den Rockschoß seiner Soutane klammerten?

Zu leben, was verstört.

Wieso entfremdet man sich eigentlich sich selbst, je vertrauter einem die Welt wird?

Verfolgungswahn

Das Schlimme und Menschen verachtende an jenem nordischen Massenmörder ist nicht nur, was er tat - auch wie er es tat. Seine Bilder, seine Schriften, seine Gedanken, seine Inszenierungen. Sie werden ihn lieben. Sie werden ihm folgen. Wahnsinnig.

geh fort

hüllt ein mein ich
spinnt fort die nacht
bleibt ruhelos zurück im traum
und drängt doch raus in ferne welten

Himmelfahrtskommando

Wann verkam eigentlich dieser Tag "Himmelfahrt", der einst erzählte von der Heimkehr des Sohnes zu seinem Vater, zu einem millionenfachen Auszug verlorener, weil besoffener Söhne?

TOP 100 ... Die Geschichte von Lisa und Sophie

Dank allen, die in den letzten Tagen die Episoden der "Geschichte von Lisa und Sophie" gehört haben. Der Podcast hat es diese Woche als Neueinsteiger auf Platz 91 in die TOP 100 deutschsprachiger Podcast geschafft.

Die männerlose literarische Gesellschaft

Wie schreibt es sich eigentlich in Zukunft als Mann, angesichts der sich explosionsartig ausbreitenden Frauen- und Mädchenliteratur nach den Erfolgen von Sarah Kuttner (Mängelexemplar) und Charlotte Roche (Feuchtgebiete)? Wird Literatur zur Geschlechterliteratur? Nichts gegen die genannten Bücher und deren Erfolg - was gut ist und gelesen werden will, soll sich auch verkaufen. Aber warum müssen Trends sich daran orientieren, ob man auf der einen oder der anderen Seite des Lebens lebt? Und warum laufen Marketingmaschinen auf Höchstform auf, um diesen Trends gegenseitig zu folgen? Ist es so simpel: weil Frauen mehr lesen als Männer? Soll es nun heißen: Schreibt, Frauen, doch mehr für Frauen und Männer bloß nicht länger für Männer!?

Die Vernetzungsmaschinerie

Buchkritiken in 140 Zeichen, Lyrik in 140 Zeichen ... Wettbewerbe dieser Art lösen einander ab und sind doch wahrscheinlich nur der verzweifelte Versuch, Microblogging-Systemen und Netzwerken - längst zu einer Vernetzungsmaschinerie geworden - auch wieder Inhalte zu geben.

Virtueller Taumel

Wie lernen Nachfolgende LESEN wenn die, die es ihnen beibringen könnten, im Taumel virtueller Welten längst das SPRECHEN verlernt haben?

Rückblick: Lesung in Berlin

"Vision und Wahn" ist eine von periplaneta Verlag Berlin organisierte Lesereihe, die mittlerweile in ihr drittes Jahr geht. Im Januar 2009 zog die Veranstaltung in die Brotfabrik um, wo jeweils am ersten Montag des Monats Verlags- und Gastautoren sowie wechselnde Musiker die Bühne betreten werden. Zum Auftakt am 5. Januar las u.a. Dietmar Haiduk aus seinen Büchern. Georg von Weihersberg begleitete den Abend am Klavier.

www.blog.dietmarhaiduk.de
www.periplaneta.com
www.visionundwahn.de

Die Spatzen auf dem Dach

Wieder eine Last mehr: möglichst zwitschern, was nicht schon die Spatzen vom Dach pfeifen ... Dietmar Haiduk jetzt auf twitter.com/dietmar_haiduk (23.2.2009)

Verlinkung

Ist es Sinn der Zeit, nur durch Verweis auf andere zu existieren? Ist Verlinkung die einzig machbare Existenz? Zählt nichts mehr das eigene Wort? Sind wir nur noch so gut wie das, was wir zitieren? Fürchten wir, was uns selbst in den Sinn kommt, weil es seinen Sinn nicht erwiesen hat, solange nicht jemand einen Link darauf gesetzt hat? Was fällt uns ein?

Nachtrag 001: Habgier und Egoismus

In Berlin einigt man sich auf die totale Kontrolle aller Finanzsysteme, als würde man so auch die Ursachen der aktuellen Weltkrise - Habgier und Egoismus unter den Menschen - besser kontrollieren, geschweige denn verdammen. (22.2.2009)

Nachtrag 005: Christa Wolf 80

30 Jahre und 3 Tage ist dieses Autogramm mittlerweile alt - das einzige übrigens, das ich mir jemals von jemandem geben lassen habe ... Gestern wurde Christa Wolf 80 Jahre alt. (2008)