Was bleibt von einer Autorin, wenn es am Ende doch nur für einen Rückblick von geschätzten 1 Minute und 30 Sekunden Länge in der Tagesschau reicht. Was bleibt? Von all den Büchern, verstörenden Gedanken und den sich auf so lange Zeit eingekratzten Sätzen. Von all den Lebensmustern, die sie in über 80 Jahren probiert haben mag, auch den Kindheitsmustern, die sie verfolgt haben werden. Nur, um irgendwann noch einmal, im hohen Alter, an einem Ort anzukommen, der ihr ein neues Land werden sollte. An keinem Ort also. Nirgends. Warum noch schreiben, wenn am Ende eines Lebens doch nichts bleibt, als der Schatten eines Traumes? Und vielleicht Hoffnung.
Aber das ist es ja gerade: Leben und Sterben als ein ewiger Störfall, als ein fortgesetzter Versuch ... Ein ewiges Auf und Ab - und immer voller Ungewissheit, was sein wird. Nur, jetzt endlich unter einem nicht länger geteilten Himmel. Und vor allem: Mit anderem Blick. Vielleicht? Irgendwo da draußen.
Dietmar Haiduk
hüllt ein mein ich, spinnt fort die nacht, lebt ruhelos im traum. und drängt doch fort in ferne welten.
Lebzelter_01
Vielleicht waren wir eurem Gott nie näher und doch war es der gottloseste Moment unseres Lebens.
Aber war das, was wir taten, allein deswegen unerhört? War es wirklich vermessen, dass wir, Lorenzo und Leon, zwei Männer im besten Alter ihres Lebens, sich an jenem 17. März 1447 einem ehrwürdigen Mann an den Rockschoß seiner Soutane klammerten?
Aber war das, was wir taten, allein deswegen unerhört? War es wirklich vermessen, dass wir, Lorenzo und Leon, zwei Männer im besten Alter ihres Lebens, sich an jenem 17. März 1447 einem ehrwürdigen Mann an den Rockschoß seiner Soutane klammerten?
zu leben, was verstört
wieso entfremdet man sich eigentlich sich selbst, je vertrauter einem die welt wird?
Verfolgungswahn
Das Schlimme und Menschen verachtende an jenem nordischen Massenmörder ist nicht nur, was er tat - auch wie er es tat. Seine Bilder, seine Schriften, seine Gedanken, seine Inszenierungen. Sie werden ihn lieben. Sie werden ihm folgen. Wahnsinnig.
geh fort
hüllt ein mein ich
spinnt fort die nacht
bleibt ruhelos zurück im traum
und drängt doch raus in ferne welten
spinnt fort die nacht
bleibt ruhelos zurück im traum
und drängt doch raus in ferne welten
Nachtrag 009: Himmelfahrtskommando
Wann verkam eigentlich dieser Tag "Himmelfahrt", der einst erzählte von der Heimkehr des Sohnes zu seinem Vater, zu einem millionenfachen Auszug verlorener, weil besoffener Söhne?
TOP 100 ... Die Geschichte von Lisa und Sophie
Dank allen, die in den letzten Tagen die Episoden der "Geschichte von Lisa und Sophie" gehört haben. Der Podcast hat es diese Woche als Neueinsteiger auf Platz 91 in die TOP 100 deutschsprachiger Podcast geschafft.
Auge um Auge
Im Auge dieses Sturms,
leg ich mein Arm um dich.
Zieh langsam dich ins Boot.
Fragst nicht, woher.
Nie frag ich dich, wohin.
Nur Stille hält uns noch in Atem.
Das Meer liegt blank.
So mag der Tanz gelingen.
Bis Füße schmerzen, wund gerieben.
Bis Tränen füllen unser Boot,
ist, was wir sind, gespreizt,
und können so dem Tosen trotzen.
Als fahles, letztes Licht
bricht über uns zur Nacht,
stehen wir erstarrt, wie fremd.
Im Brennen deiner Augen –
der Stille mittendrin im Sturm –
spür ich dein Arm um mich.
leg ich mein Arm um dich.
Zieh langsam dich ins Boot.
Fragst nicht, woher.
Nie frag ich dich, wohin.
Nur Stille hält uns noch in Atem.
Das Meer liegt blank.
So mag der Tanz gelingen.
Bis Füße schmerzen, wund gerieben.
Bis Tränen füllen unser Boot,
ist, was wir sind, gespreizt,
und können so dem Tosen trotzen.
Als fahles, letztes Licht
bricht über uns zur Nacht,
stehen wir erstarrt, wie fremd.
Im Brennen deiner Augen –
der Stille mittendrin im Sturm –
spür ich dein Arm um mich.
Nachtrag 008: Die männerlose literarische Gesellschaft
Wie schreibt es sich eigentlich in Zukunft als Mann, angesichts der sich explosionsartig ausbreitenden Frauen- und Mädchenliteratur nach den Erfolgen von Sarah Kuttner (Mängelexemplar) und Charlotte Roche (Feuchtgebiete)? Wird Literatur zur Geschlechterliteratur? Nichts gegen die genannten Bücher und deren Erfolg - was gut ist und gelesen werden will, soll sich auch verkaufen. Aber warum müssen Trends sich daran orientieren, ob man auf der einen oder der anderen Seite des Lebens lebt? Und warum laufen Marketingmaschinen auf Höchstform auf, um diesen Trends gegenseitig zu folgen? Ist es so simpel: weil Frauen mehr lesen als Männer? Soll es nun heißen: Schreibt, Frauen, doch mehr für Frauen und Männer bloß nicht länger für Männer!?
Schreiben, jenseits des Lebens

Schreiben beginnt mit Begreifen, nie vorher. In einem jener Momente, in dem das eigene Leben einen Grenzpunkt zu überschreiten beginnt und man spürt, dass einen irgendetwas nicht mehr so weiterleben lässt wie bisher, beginnt man zu schreiben. Und sei es nur, um sich später erinnern zu können, was einen einst in dieses neue Leben, diese neue Welt voller Phantasien, getrieben haben mag ... Diese andere Welt, die nun beginnt, heißt fortan Einsamkeit, heißt stunden-, tage-, nächtelang an einem Schreibtisch sitzen und alles um sich herum vergessen. Das Banalste immer zuerst, nämlich dass man eigentlich noch Brot holen wollte, bevor das Wochenende beginnt und dass man also wieder einmal mit leerem Kühlschrank und leerem Magen die Stunden fristen wird.
Schreibansätze liegen in solch kleinen Ausnahmezuständen. Wo Leben in anderer, neuer Form ansetzt, setzt auch Schreiben an und wirbelt erst recht alles durcheinander. Eine Welt, die man zu teilen gezwungen ist, ist die Folge. Nichts gehört einem ab jetzt noch selbst. Jede Seite eng beschriebenen Papiers, jede mit Hilfe von Worten aus der Tiefe des eigenen Nachdenkens hervorgeholte Erinnerung. Alles liegt plan, zunächst nur vor Freunden, später vor Hunderten und Tausenden Lesern, auf die man seit Jahren hofft.
Wenn es die aber irgendwann wider Erwarten doch nicht gegeben haben wird, wird man immer noch schreiben. Vielleicht ärgert man sich dann erst recht über den Zahnschmelz vernichtenden harten Brotkanten, der sich auch diesmal, und dann wohl zum Glück, noch in der Küche finden ließ - übrigens wieder einmal lange nachdem der Grenzpunkt zum Wochenende bereits überschritten war. Aber diesmal wird man sich über das Gefundene freuen. Nichts wird einem mehr geblieben sein, als langsam und beharrlich den Kanten zu kauen, bis er sich fühlbar aufweicht und alles im Mund auszufüllen scheint: klebrig, dick, sich unaufhaltsam vermehrend. Als wolle irgendetwas nicht davon lassen, uns weis zu machen, es wäre wahr, dass der Mensch erst essen muss, bevor er denken kann.
All das geschieht, während man gleichzeitig ein weiteres Blatt Papier nimmt, dieses mit einer energischen Bewegung der Handrückens sauber wischt von allen störenden Krumen des banalen Lebens und das Blatt quasi der Schreibplatte, glatt gestrichen, einverleibt. So ritualisiert, beginnen alle neuen Geschichten.
Diesmal wird sie wohl erzählen vom Essen, von üppig gefüllten Kühlschränken und hoffentlich nie beginnenden Wochenenden. Und dann, während man vor sich hinschreibt, wartet man auf den Montag, um endlich hinauslaufen und sehen zu können, was das alte, vormalige Leben dort draußen, in dieser Welt und in der abgelaufenen Zeit, wohl alles gemacht haben mag - wovon man in seiner Phantasie nie zu träumen gewagt hätte ...
Schreiben, jenseits des Lebens, kann - soll es Sinn machen - nur ans Leben heranführen.
Nachtrag 007: Die Vernetzungsmaschinerie
Buchkritiken in 140 Zeichen, Lyrik in 140 Zeichen ... Wettbewerbe dieser Art lösen einander ab und sind doch wahrscheinlich nur der verzweifelte Versuch, Microblogging-Systemen und Netzwerken - längst zu einer Vernetzungsmaschinerie geworden - auch wieder Inhalte zu geben.
Nachtrag 006: Virtueller Taumel
Wie lernen Nachfolgende LESEN wenn die, die es ihnen beibringen könnten, im Taumel virtueller Welten längst das SPRECHEN verlernt haben?
Im ... Worte finden: Sehnsucht.

Weiter. Weiter. Nichts als nächster Ort.
Und nächste Zeit. Selbst nächstes Leben.
Schreibend: Glück. Im Worte finden: Sehnsucht.
Lesung am 5. Januar 2009 bei Vision & Wahn in der Brotfabrik Berlin mit Dietmar Haiduk(Foto: Vision&Wahn)
Virtuelle Verarschung: 4. Dimension
Was für ein Leben, was für eine Zeit. Wir gewöhnen uns daran, virtuell zu sein. Wir suchen nach Nähe in einer Dimension, die es nicht wirklich gibt. Jene VIERTE scheint eine Dimension der Voraus-Ahnung, des Voraus-Lebens zu sein. Wir antizipieren Erhofftes, wir füllen jenen engen Raum um uns herum mit Projektionen über das, was wir wünschen - allein schon froh über ein simples Flirren der Luft, das diese bewirken könnten: Endlich bewegt sich etwas in uns, mit uns, um uns herum. Fasziniert sind wir allein von einer schemenhaften Ahnung dessen, was noch sein könnte: Leben leben zu können, wie nie gelebt.
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Rückblick: Lesung in Berlin
"Vision und Wahn" ist eine von periplaneta Verlag Berlin organisierte Lesereihe, die mittlerweile in ihr drittes Jahr geht. Im Januar 2009 zog die Veranstaltung in die Brotfabrik um, wo jeweils am ersten Montag des Monats Verlags- und Gastautoren sowie wechselnde Musiker die Bühne betreten werden. Zum Auftakt am 5. Januar las u.a. Dietmar Haiduk aus seinen Büchern. Georg von Weihersberg begleitete den Abend am Klavier. www.blog.dietmarhaiduk.de
www.periplaneta.com
www.visionundwahn.de
Rückblick: Lesung in Potsdam

Amüsantes und Besinnliches gab es am 6.Dezember im Literaturcafé in Potsdams Holländerviertel zu erleben: Marco Wilhelm Linke erzählte von der Suche des Bauchredners Eli Lenau nach dem Kindlichen im Herzen … Der Autor las aus seiner Geschichte “Der Ventriloquist” - ausgezeichnet mit dem Literaturpreis des Landes Brandenburg 2008.
Humoristische Geschichten aus ihrem Buch “Columbo” und Gedichte aus ihrem neuen Lyrikband “Blätterrauschen. Lyrische Landschaften” stellte Barbara Schilling vor, und Dietmar Haiduk las u.a aus dem Erzählband “Mein Sommer mit Marleen” - und dem Webtagebuch „Blogistiv 1.0“.
Rückblick: Schementhemen in Potsdam
Lesung in Potsdam - mehr auf archivnacht.probelesen.info
Am 22. Mai 2008 präsentierte die Archivnacht Potsdam SCHEMENTHEMEN. Die neue Veranstaltung durchleuchtet Schemen des Alltags mit Musik, Fotografie oder Literatur. Gastautor bei der von Myk Jung initiierten Veranstaltung war diesmal Dietmar Haiduk.

Myk Jung ist seit 1984 in der Independent Musik-Szene aktiv. Zahlreiche CD-Veröffentlichungen stehen seit Mitte der Achtziger zu Buche, zunächst in Deutschland, später auch in den USA. 2001 veröffentlicht Jung mit "Der Herr der Ohrringe" sein erstes Buch und damit auch die erste original deutschsprachige Parodie auf Tolkiens Trilogie. mehr
Am 22. Mai 2008 präsentierte die Archivnacht Potsdam SCHEMENTHEMEN. Die neue Veranstaltung durchleuchtet Schemen des Alltags mit Musik, Fotografie oder Literatur. Gastautor bei der von Myk Jung initiierten Veranstaltung war diesmal Dietmar Haiduk.

Myk Jung ist seit 1984 in der Independent Musik-Szene aktiv. Zahlreiche CD-Veröffentlichungen stehen seit Mitte der Achtziger zu Buche, zunächst in Deutschland, später auch in den USA. 2001 veröffentlicht Jung mit "Der Herr der Ohrringe" sein erstes Buch und damit auch die erste original deutschsprachige Parodie auf Tolkiens Trilogie. mehr
Dietmar Haiduk lebt in Potsdam und veröffentlichte bisher Mein Sommer mit Marleen (Erzählungen) und Blogistiv 1.0 - Notizen eines Jahres (Webtagebuch). Lieferbar ist außerdem bereits Jeffy & Bernadette, ein Drehbuch. Der Roman Abriss Leben erscheint demnächst mehr

Nachtrag 002: Die Spatzen auf dem Dach
Wieder eine Last mehr: möglichst zwitschern, was nicht schon die Spatzen vom Dach pfeifen ... Dietmar Haiduk jetzt auf twitter.com/dietmar_haiduk (23.2.2009)
Nachtrag 004: Verlinkung
Ist es Sinn der Zeit, nur durch Verweis auf andere zu existieren? Ist Verlinkung die einzig machbare Existenz? Zählt nichts mehr das eigene Wort? Sind wir nur noch so gut wie das, was wir zitieren? Fürchten wir, was uns selbst in den Sinn kommt, weil es seinen Sinn nicht erwiesen hat, solange nicht jemand einen Link darauf gesetzt hat? Was fällt uns ein?
BLOGISTIV 1.0
BLOGISTIV 1.0
Nachtrag 001: Habgier und Egoismus
In Berlin einigt man sich auf die totale Kontrolle aller Finanzsysteme, als würde man so auch die Ursachen der aktuellen Weltkrise - Habgier und Egoismus unter den Menschen - besser kontrollieren, geschweige denn verdammen. (22.2.2009)
Nachtrag 005: Christa Wolf 80
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